Biomechanische Bewegungsanalyse zur Vermeidung von Laufverletzungen

Laufen ist die natürlichste und gesündeste Form des Ausdauertrainings und kräftigt neben der Bein- und Beckenmuskulatur auch die gesamte Rumpfmuskulatur. Dies verbessert die Haltung und kann den durch lang anhaltendes Sitzen häufig hervorgerufene Rückenschmerzen vorbeugen.

Laufen stärkt das Immunsystem, fördert die Durchblutung und die Sauerstoffaufnahme. Haut und Gewebe werden besser versorgt und bleiben somit länger straff und jung. Vor allem werden beim Laufen Herz und Kreislauf schonend und effektiv trainiert und sämtliche Stoffwechselprozessse optimiert. Durch Anstieg der körpereigenen Antistresshormone wird die Gehirnfunktion verbessert und Fettablagerungen zwischen den Gehirnzellen können wieder gelöst werden.

Wer jedoch mit Achsenfehlstellungen, die z.B. durch muskuläre Fehlgleichgewichte hervorgerufen werden, trainiert und ungeeignete Laufschuhe anschafft, riskiert unnötige Verletzungen: Überlastungs- und Verschleißverletzungen an Sehnen, Bändern, Gelenken und Muskulatur. Einen hohen Risikofaktor stellen auch alte und ausgetretene Laufschuhe dar, die nicht mehr oder nur noch unzureichend dämpfen.

Am häufigsten treten folgende fünf Laufverletzungen auf:

1. Achillesehnen-Entzündung:
dumpfer oder stechender Schmerz an der Sehne, meistens in Fersennähe, eingeschränkte Beweglichkeit, Rötung und Überhitzung in der Schmerzregion, Narbengewebe, das auf der Sehne zu tasten ist und ein knirschendes Geräusch bei Bewegungen des Fußgelenkes erzeugt. Dies kann durch ungenügende Wadendehnung und übermäßiges nach Innenknicken des Fersenbeines beim Aufsetzen des Fußes (Überpronation) hervorgerufen werden. Sehr häufig stellt auch ein rigides Großzehengrundgelenk die Ursache für eine unphysiologische Fußbelastung dar.

2. Chondromalazie (Erweichung des Knorpelgewebes):
eine der häufigsten Knieverletzungen, die zu einer Erweichung und einem Abrieb des Knorpels hinter der Kniescheibe führt, die sich in Schmerzen und Entzündungen äußert. Überpronation des Fersenbeins kann dazu führen, dass die Kniescheibe sich seitlich verdreht.
Auch ein Muskelfehlgleichgewicht innerhalb des viergliedrigen Kniestreckmuskels kann die Kniescheibe aus ihrer Bahn bringen. Entzündet sich der untere Kniesehnenansatz, tritt ein unteres Patellaspitzensyndrom auf.

3. Ileotibialbandsyndrom (Bursitis trochanterica/ Tuberculum Gerdii-Syndrom):
schmerzhafte Entzündung an der Außenseite des Knies, wo das an der Außenseite des Kniegelenkes verlaufende Ileotibialband (Tractus ileotibialis) reibt. Häufig liegt auch eine Entzündung seitlich am großen Rollhügel des Hüftgelenkes, wo der angespannte Tractus gegen den Oberschenkelknochen reibt und eine Schleimbeutelentzündung hervorruft. Alles, was das Bein dazu bringt, sich im Hüftgelenk anzuspreizen, wie z.B. X-Beine, Überpronation, abgetragene Laufschuhe oder schräge Laufflächen, z.B. am Strand, lässt das ileotibiale Band am Oberschenkelknochen reiben und ruft folglich einen Reizustand hervor.

4. Plantarfasziitis:
Entzündung der Plantarfaszie, dem dicken faserigen Gewebeband an der Unterseite des Fußes, das sich von der Ferse bis zum Zehenansatz erstreckt. Bei rigidem Großzehengrundgelenk wird der Faszienansatz nicht längs, sondern zum Fußaußenrand hin verstärkt belastet (lateralisierte biomechanische Ganglinie). Es treten somit Scherkräfte auf, die zu einer mukoiden Degeneration an der Insertionsstelle führen.
Bei starker Belastung überdehnt die Faszie und es bilden sich sog. Triggerpunkte nach Simons und Travell aus. In extremen Fällen reißt die Faszie teilweise, was zu einer Entzündung führt und Vernarbungen verursacht. Es treten Schmerzen direkt unter der Ferse auf, die insbesondere morgens beim Aufstehen auftreten. Radiologisch läßt sich dann oft an der entzündlich veränderten Insertionsstelle am Fersenbein ein sog. Fersensporn nachweisen.

5. Shin-Splint-Syndrom (Tibialis anterior-Syndrom):
Entzündung an der Innenseite des Schienbeins (vorderer Schienbeinheber-Muskel). Es treten Schmerzen, Pochen und eine Empfindlichkeit entlang der Innenseite des Schienbeins auf. Ursächlich gelten ermüdete oder weniger gedehnte Wadenmuskeln. Auch ein dekompensierter Spreizfuß ist häufig die Ursache. Überpronation und schlechte Schuhe verstärken das Problem, genauso harter Untergrund beim Laufen.

Aktive und passive Maßnahmen können dem Läufer bei den oben erwähnten Abweichungen des Bewegungsapparates helfen, zu einer besseren Belastungsverträglichkeit zu gelangen. Aktive Maßnahmen bestehen aus Kräftigungs-, Stretching – und Koordinationsübungen.
Ferner ist eine lauftechnische Ausbildung zur Belastbarkeitssteigerung und Minimierung des orthopädischen Risikos wichtig.
Als passive Maßnahmen stehen individuelle Laufschuh- und Einlagenzurichtungen zur Verfügung. Dies sind ebenso effektive Maßnahmen, die unterstützend mit aktiven Maßnahmen wie Physiotherapie eingesetzt werden sollten, da sie nur in Kombination ihren vollen Nutzen entfalten können.

Um diese Behandlungen festlegen zu können und nicht nur auf Verdacht zu therapieren, muss der Bewegungablauf im Biomechanilabor nicht statisch, sondern dynamisch in der Bewegung unterucht werden. Es nützt nämlich nichts, wenn der Sportmediziner beim sitzenden oder stehenden Läufer eine Beinachsenstatik vorfindet und daraus eine Therapie ableitet. Unter Umständen zeigt sich beim Laufen eine übermäßige Rotation des Unterschenkels, die die Kniegelenke belastet.

Ohne dieses Aufdecken der eigentlichen biomechanischen Ursache kommt man sportmedizinisch niemals zu einer ursächlichen Therapie und so auch schwer zum gewünschten Erfolg.

Es gibt eine ganze Reihe von typischen biomechanischen Abweichungen, die mit bestimmten Laufverletzungen im Zusammenhang stehen. Sie alle haben eines gemeinsam: Man sieht sie sie am besten, wenn nicht sogar ausschließlich, in der Bewegung.
Für die Diagnose der Probleme und somit die Therapie stellt die Bewegungsanalyse im Biomechaniklabor im Königsbau Stuttgart also die absolute Basis dar.
Gleiches gilt für die prophylaktische Einleitung für Korrekturen im Laufschuh. Auch hier ist die Analyse der Bewegung wichtiger als die Statik. Wer also eine gut angepasste Schuhversorgung wünscht oder stärkere Fehlstellungen seiner Beine und Füße vermutet, der wird eine ernst zu nehmende Aussage zu seiner Problematik nur durch eine Analyse des Bewegungsablaufes erfahren können.
Die Statik der Beinachse und die Funktion des Kniegelenks sind unmittelbar mit der Funktion des unteren Sprunggelenks verknüpft. An mechanischen Modellen geht eine Pronationsbewegung des unteren Sprunggelenks mit einer Innenrotation des Schienbeins einher. Diese Innenrotation führt zu einer Valgisierung der Beinachse, also zur Ausbildung einer X-Bein-Stellung. Andererseits führt eine Supination des unteren Spunggelenks zur Außenrotation des Schienbeins und damit zur Varisierung der Beinachse (O-Bein-Fehlstellung). Eine Analyse der Bewegung muß also immer die Aktion von Sprunggelenk und Beinachse beinhalten. Zudem wird im Biomechaniklabor die dynamische Beckenstellung und das dynamische Verhalten der Wirbelsäule brücksichtigt.

Durch zusätzliches Aufdecken von sportmedizinisch unökonomischen Fehlbewegungen werden Kräftigungs-, Stretching- und Koordinationsübungen in die richtigen Bahnen gelenkt. Somit können die Leistung gesteigert, die Lauferkrankungen gebessert und weitere Laufverletzungen reduziert werden. Hierbei ist eine gute sporttherapeutische lauftechnische Ausbildung mit Kraft-, Koordinations- und Strechingelementen dem Präventiveinsatz eher vorzuziehen.

Durch die biomechanischen Vermessungen sind wir in der Lage, dem Orthopädieschuhmacher Angaben zum Bau individueller Schuheinlagen zu liefern.

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