Vorbeugung der Osteoporose

Unter Osteoporose versteht man eine über das normale Maß hinausgehende Brüchigkeit des Knochens, die durch eine Verminderung der Knochenmasse und eine Zerstörung der Knochenstruktur verursacht wird. Dadurch können die so geschädigten Knochen schon bei geringer Belastung oder einfachen Stürzen brechen.

In Deutschland treten jährlich bei den 50-79 jährigen Männern und Frauen 74000 neue Wirbelkörperbrüche auf, d.h. alle 7 Minuten kommt es zu einer frischen Fraktur.

120000 Menschen brechen sich zur Zeit in der BRD jedes Jahr den Oberschenkelhals, durch die demographische Entwicklung werden es im Jahr 2040 voraussichtlich genau doppelt so viele sein.

Da die Lebenserwartung immer mehr steigt, wird die Häufigkeit von osteoporosebedingten Frakturen somit in der Zukunft weiterhin deutlich zunehmen.

Studien haben gezeigt, dass nach Schenkelhalsfrakturen 40% der betroffenen Patienten innerhalb des ersten Jahres nach der Fraktur zum Pflegefall werden und 20% der Betroffenen an den Folgen des Sturzes sogar versterben.

Durch die immensen Folgekosten aufgrund von Operationen, Rehabilitationen und Pflegekosten verursacht die Osteoporose in Deutschland derzeit bereits jährliche Kosten in Höhe von 2,5 – 3 Milliarden Euro. Diese werden in absehbarer Zeit noch weiter deutlich ansteigen, abgesehen von dem persönlichen gravierenden Schmerz und Leid jedes einzelnen betroffenen Patienten.

Es ist daher unser aller – Patienten und Ärzten gemeinsam – Anliegen, vorzubeugen, dass es zu einer Ausweitung dieser immer mehr an Bedeutung gewinnenden Erkrankung kommt.

Der Knochen ist ein lebendes Gewebe und befindet sich in einem ständigen Fließgleichgewicht.
Es wird je nach äußeren Einflüssen (Belastung, Ernährung, Nikotin, Alkohol) und inneren Einflüssen (genetische Veranlagung, Stoffaufnnahme im Darm, Hormone, Nieren- und Schilddrüsenfunktion, usw.) Knochen kontinuierlich auf- und abgebaut, Wird dieses Gleichgewicht gestört, kann der abgebaute Knochen nicht mehr vollständig ersetzt werden. Dadurch geht Knochenmasse verloren.

Symbolisch zeigt dies die Waage der Justitia, der römischen Göttin der Gerechtigkeit und des Rechtswesens, die als Bronzestatue auf dem Gerechtigkeitsbrunnen vor dem Römer in Frankfurt a.M. steht.

Eine knochengesunde Lebensweise ist für uns alle eine lebenslange Aufgabe und erfordert eine große Eigenverantwortung.
Zweifellos ist die Osteoporose eine familiär vererbte Erkrankung. Das familiäre Risiko, häufige Stürze oder ein Knochenbruch ohne adäquates Trauma stellen das höchste Risiko für die Entwicklung eines osteoporotischen Knochens dar.
Dennoch und gerade dann, wenn erhöhte Risikofaktoren bestehen, sollte man präventiv folgendes beachten:

  • Ausreichende Versorgung mit Calcium: Tägliche Zufuhr von 1000-1500 mg Calcium. Der höchste Bedarf an Calcium besteht in der Jugend, während der Schwangerschaft, Stillzeit und im höheren Lebensalter. In der Regel kann die Calciumzufuhr durch entsprechende Ernährung (calciumreiches Mineralwasser, Hartkäse, grünes Gemüse und Kräuter) erreicht werden. Die Zufuhr noch höherer Calciummengen bringt keinen zusätzlichen Nutzen mit sich. Ist eine ausreichende tägliche Calciumaufnahme durch die entsprechende Ernährung nicht gewährleistet, so ist eine tägliche bedarfsgerechte medikamentöse Ergänzung von Calcium, evtl. kombiniert mit VitD3 empfehlenswert.
  • Ausreichende Versorgung mit Vitamin D: Der Vitamin D-Bedarf wird durch täglichen Aufenthalt im Freien (Vitamin D-Bildung in der Haut durch UV-Licht) und den Genuss vitaminhaltiger Nahrungsmittel gedeckt. Häufig tritt ein VitD3- Mangel bei älteren Menschen auf, die sich nicht mehr regelmäßig im Freien aufhalten und pflegebedürftig sind.
  • Vermeiden von Rauchen und Untergewicht: Rauchen schädigt die Knochen ebenso wie übermäßiger Alkoholkonsum. Beides ist daher zu meiden.
    Untergewicht, insbesondere im Rahmen einer Anorexia nervosa bei Jugendlichen, trägt wesentlich zu einer Osteoporose bei und sollte ebenfalls vermieden werden.
    Ein besonderes Problem stellen auch Patienten mit Dickdarm-Dysbiose, z.B. nach häufigen Antibiotikagaben, dar. Hierbei kommt es zu gastrointestinalen Resorptionsstörungen. Aus naturkundlicher Sicht sollte hier eine Dickdarmausleitung (Colonhydrotherapie, Glaubersalz, Ausleitung nach F.X. Mayr oder Buchinger, Bioresonanztherapie, Akupunktur) und danach eine prosymbiotische Lenkung (mit Mutaflor oder Symbioflor) erfolgen. In den USA werden bereits physiologische Darmflora-Transplantationen durchgeführt.
  • Regelmäßige Bewegung, insbesondere Gehen in der freien Natur: Dies erkannte bereits im 19. Jahrhundert der Ulmer Arzt WOLFF und wurde im 20. Jahrhundert in den USA durch FROST über den Piezzo-Effekt erklärt: Durch Belastung des Knochens unter der Schwerkraft kommt es zu vermehrter Produktion von Kollagenfasern, der organischen Substanz des Knochens. Gleichzeitig lagert sich Calcium als Calciumapatit ein (Mineralisation), was zu einer Härtung des Knochens führt. Bedrest-Studien von dem Radiologen und Osteologen Prof. Dr. FELSENBERG haben 2006 in Berlin gezeigt, dass sich ein Knochenaufbau auch unter konsequentem Muskelaufbautraining, insbesondere im Rückenbereich, zeigt.
    Dipl. Ing. Schissel, Pforzheim hat deshalb in Pforzheim ein Vibrationsgerät (Galileo) entwickelt, was ursprünglich von Kosmonauten zur Osteoporoseprophylaxe benutzt wurde, da sie sich monatelang im Weltall in der Schwerelosigkeit aufhielten.

Dr. RUNGE, Esslingen hat spezielle Bewegungsübungen (5 Esslinger) als krankengymnnastische Übungen für Osteoporose-Patienten entwickelt.
Bei jüngeren Patienten ist das functional training bzw. core performance nach MARK VERSTEGEN geeignet, da es die tiefen wirbelsäulennahen Muskeln erreicht, welche die Wirbelsäule stabilisieren.

Dies lässt sich auch durch die Elektrische Muskel Stimulation (EMS, myha bodytec) erreichen, die wir ab 2006 als damals erste osteologische Arbeitsgruppe in Deutschland in unserer eigenen Praxis speziell bei Osteoporosepatienten einsetzen. Ursprünglich wurde sie in der kardiologischen Rehabilitation und in der Sportmedizin zum sportartspezifischen Training verwendet.

Als präventive Sportarten haben sich insbesondere (Nordic)Walking, Wandern, Jogging und Fitness-Training an Geräten (analysegestützte Wirbelsäulentraining) bewährt.